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Teppich-Wissen

Gabbeh-Teppiche

Dicker Flor, wenige Farben, klare Formen: Der Gabbeh kommt von den Nomaden Südpersiens und ist der wohl unkomplizierteste Einstieg in den handgeknüpften Teppich.

Gabbeh-Teppiche

Herkunft: die Nomaden der Provinz Fars

Der Gabbeh stammt aus der Provinz Fars im Süden Irans, dem Bergland rund um Schiras. Geknüpft wird er seit Generationen von den Nomadenstämmen der Kaschgai (Qashqai) und der Luri – ursprünglich nicht für den Verkauf, sondern für den eigenen Gebrauch im Zelt: als Schlafunterlage, als Sitzfläche, als Wärmedämmung gegen den kalten Boden.

Das persische Wort „gabbeh“ bedeutet sinngemäß roh, ungeschoren oder unbearbeitet. Genau das beschreibt den Teppich gut: Er ist bewusst grob, dick und ohne feine Zeichnung. Erst in den 1980er-Jahren entdeckte der europäische Handel diesen Typ – seither wird er auch für den Export geknüpft, die Herkunftsregion ist jedoch dieselbe geblieben.

Weil die Knüpferinnen traditionell ohne Vorlage arbeiten, gleicht kein Gabbeh dem anderen. Die Muster entstehen beim Knüpfen, oft aus dem Alltag heraus: Tiere, Bäume, Felder, gelegentlich eine Zeltlandschaft. Diese Freiheit macht jeden Gabbeh zu einem Unikat.

Merkmale: hoher Flor, wenige Farben

Der auffälligste Unterschied zu klassischen Perserteppichen ist der Flor: Ein Gabbeh trägt 15 bis 25 Millimeter dicke Wolle und fühlt sich weich und nachgiebig an. Die Knüpfdichte ist bewusst niedrig, je nach Qualität zwischen etwa 30.000 und 120.000 Knoten pro Quadratmeter.

Die Muster sind reduziert: eine ruhige Fläche, wenige geometrische Blöcke, manchmal ein Lebensbaum oder stilisierte Tiere. Häufig kommen zwei bis fünf Farben zum Einsatz. Gefärbt wird traditionell mit Pflanzen – Krappwurzel für Rot, Indigo für Blau, Walnussschalen für Braun, Reseda für Gelbtöne.

Die Wolle stammt meist von Schafen der eigenen Herde und wird von Hand gesponnen. Das ergibt einen lebendigen, leicht unregelmäßigen Faden, der Farbe schluckt und Licht anders zurückwirft als maschinelles Garn. Genau daher rührt das typische Schimmern eines guten Gabbeh, wenn man um ihn herumgeht.

Qualitätsstufen: Dorf-Gabbeh, Kaschkuli und Loribaft

Als Dorf-Gabbeh oder einfacher Gabbeh gilt die ursprüngliche, grobe Ausführung: dicker Flor, kräftige Farben, unregelmäßige Kanten. Er ist robust, günstig und für stark begangene Räume gut geeignet.

Der Kaschkuli-Gabbeh geht auf eine Untergruppe der Kaschgai zurück. Er ist feiner geknüpft, die Wolle ist sorgfältiger sortiert, und die Muster sind detailreicher, oft mit kleinen Bordüren. Er bildet die gehobene Mittelklasse.

Die feinste Stufe ist der Loribaft, wörtlich „von den Luri gewebt“. Er wird dichter und mit kürzerem, gleichmäßigerem Flor geknüpft und erreicht 200.000 Knoten pro Quadratmeter und mehr. Loribaft-Teppiche wirken glatter und moderner als klassische Gabbeh und liegen preislich deutlich darüber.

Wohnstil & Pflege

Durch die klaren Flächen passt ein Gabbeh sehr gut zu moderner, skandinavisch geprägter Einrichtung und zu Holzböden. Er schluckt Trittschall spürbar und macht Räume ruhiger. Beachten Sie dabei: Der dichte, hohe Flor dämmt kräftig – auf einer Fußbodenheizung gibt er die Wärme langsamer weiter als ein flach geknüpfter Teppich.

In den ersten Monaten verliert ein neuer Gabbeh lose Fasern. Das ist bei handgesponnener Wolle normal und hört von selbst auf. Saugen Sie ohne rotierende Bürste und drehen Sie den Teppich regelmäßig.

Alle drei bis fünf Jahre ist eine professionelle Teppichreinigung sinnvoll. Die Teppich Wäscherei Hamburg am Alstertor 20 wäscht Gabbeh von Hand, weil der dicke Flor gründlich ausgespült und anschließend langsam und kontrolliert getrocknet werden muss – beides leistet ein Reinigungsgerät für den Hausgebrauch nicht.

Preis-Einordnung

Persische Gabbeh liegen im Handel meist zwischen etwa 150 und 450 Euro pro Quadratmeter, feine Loribaft-Qualitäten darüber. Ein Gabbeh von 170 × 240 Zentimetern kostet damit häufig zwischen 700 und 1.800 Euro. Wer auf handgesponnene Wolle und pflanzliche Färbung achtet, bekommt für dieses Geld einen Teppich, der Jahrzehnte hält.

Indische Nachbildungen sind deutlich günstiger, verlieren durch maschinelles Garn und dünneren Flor aber schneller an Substanz. Ein echter Gabbeh aus Fars behält im Vergleich dazu bei guter Pflege eher Substanz und Restwert. Eine Wertsteigerung sollten Sie von einem Gebrauchsteppich dagegen nicht erwarten – was ein einzelnes Stück später erzielt, hängt vom Zustand und von der Nachfrage zum jeweiligen Zeitpunkt ab.

Farbe und Florhöhe entscheiden beim Gabbeh mehr als jede Beschreibung. Unser Shop zeigt Gabbeh-Teppiche vom Dorfstück bis zur Loribaft-Qualität nebeneinander.

Herkunft: Provinz Fars rund um Schiras, Südpersien
Herkunft: Provinz Fars rund um Schiras, Südpersien – Weidegebiete der Kaschgai- und Luri-Nomaden · Kartendaten © OpenStreetMap-Mitwirkende
Fachlich geprüft von Reza Hassani, Inhaber der Teppich Wäscherei Hamburg (Alstertor 20) – Ankauf, Wäsche und Reparatur von Orientteppichen.
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Häufige Fragen zu Gabbeh-Teppiche


Was ist ein Gabbeh-Teppich?

Ein Gabbeh ist ein handgeknüpfter Nomadenteppich aus der Provinz Fars im Süden Irans, geknüpft von den Stämmen der Kaschgai und Luri. Kennzeichnend sind ein hoher, weicher Flor von 15 bis 25 Millimetern, eine bewusst niedrige Knüpfdichte und reduzierte, oft geometrische Muster in wenigen pflanzlich gefärbten Farben. Das persische Wort „gabbeh“ bedeutet sinngemäß roh oder unbearbeitet – ursprünglich knüpften die Nomaden diese Teppiche für den eigenen Gebrauch im Zelt.

Was ist der Unterschied zwischen Gabbeh und Indo-Gabbeh?

Ein echter Gabbeh wird von Nomaden in der persischen Provinz Fars aus handgesponnener Wolle geknüpft, meist mit Pflanzenfarben. Der Indo-Gabbeh ist eine indische Nachbildung desselben Stils, in der Regel aus maschinengesponnenem Garn und mit chemischer Färbung. Er ist deutlich günstiger, wirkt gleichmäßiger und erreicht die Lebendigkeit und Haltbarkeit des persischen Originals meist nicht.

Wie langlebig ist ein Gabbeh-Teppich?

Ein persischer Gabbeh aus guter Hochlandwolle hält bei normaler Wohnnutzung problemlos 20 bis 40 Jahre. Der hohe Flor und der Wollfettanteil machen ihn sehr strapazierfähig, auch im Flur oder Esszimmer. Voraussetzung sind regelmäßiges Saugen, gelegentliches Drehen und eine professionelle Wäsche alle paar Jahre.

Wie reinigt man einen Gabbeh richtig?

Im Alltag genügt Saugen ohne rotierende Bürste; frische Flecken tupfen Sie mit einem hellen Baumwolltuch ab. Auf Dampfreiniger, Fleckensprays und Selbstwaschversuche sollten Sie verzichten, da Pflanzenfarben ausbluten können und der dicke Flor nur schwer wieder durchtrocknet. Für die Grundreinigung ist die professionelle Handwäsche die richtige Wahl.

Worauf sollte ich beim Kauf eines Gabbeh achten?

Fassen Sie in den Flor: Gute Wolle ist leicht fettig, elastisch und matt glänzend, nicht strohig. Prüfen Sie die Rückseite auf ein klar erkennbares Muster und gerade Kanten, und fragen Sie nach Herkunft (Fars/Iran) und Färbung. Leichte Farbschattierungen sind ein Qualitätszeichen für Naturfarben und kein Mangel.

Eignet sich ein Gabbeh für Allergiker?

Wolle bindet Hausstaub im Flor, statt ihn aufwirbeln zu lassen, und wirkt dadurch für viele Allergiker angenehmer als ein glatter Boden. Entscheidend ist, dass der Teppich regelmäßig gesaugt und alle paar Jahre gründlich gewaschen wird. Bei einer bekannten Wollallergie ist ein Gabbeh dagegen nicht die richtige Wahl.

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