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Teppich-Wissen

Kazak-Teppiche

Große Sternmedaillons, kräftiges Rot auf Elfenbein, dicke Bergwolle: Der Kazak ist der markanteste Teppichtyp des Kaukasus – und wird heute überwiegend in Afghanistan neu geknüpft.

Herkunft: der Südwestkaukasus

Der Name Kazak führt auf eine historische Landschaft zwischen Tiflis und Gandscha zurück, im Grenzgebiet des heutigen Georgien, Armenien und Aserbaidschan. Mit Kasachstan hat er nichts zu tun – diese Verwechslung hält sich hartnäckig, obwohl zwischen beiden Regionen das Kaspische Meer und eine völlig andere Knüpftradition liegen.

Geknüpft wurde dort in armenischen und aserbaidschanischen Bergdörfern, überwiegend für den eigenen Bedarf und den regionalen Markt. Die Blütezeit lag im 19. Jahrhundert, als kaukasische Teppiche über Tiflis und Baku in großer Zahl nach Westeuropa gelangten und dort zum Inbegriff des kräftig gemusterten Orientteppichs wurden.

Das raue Klima der Bergregion prägt das Material: Schafe in Hochlagen entwickeln eine lange, fettreiche Wolle mit ausgeprägter Elastizität. Genau diese Wolle gibt dem Kazak seinen federnden Griff und seinen tiefen, unaufdringlichen Glanz.

Muster: die klassischen Kazak-Typen

Ein Kazak arbeitet mit wenigen, großen Formen statt mit feiner Zeichnung. Typisch sind ein bis drei kräftige Medaillons auf der Längsachse, umgeben von Haken, Sternen, stilisierten Tieren und breiten, klar gegliederten Bordüren. Der Kontrast ist bewusst hart: Krapprot, Indigoblau, Elfenbein und ein sattes Grün stehen unvermittelt nebeneinander.

Die Untertypen tragen Ortsnamen. Der Karatschoph zeigt ein großes helles Achteck auf meist grünem Grund, flankiert von vier Quadraten. Der Sewan-Kazak trägt ein schildförmiges Medaillon, das den ganzen Teppich ausfüllt. Der Tschelaberd, im Handel Adler-Kazak genannt, entfaltet ein strahlenförmiges Medaillon, das an ausgebreitete Schwingen erinnert.

Weitere geläufige Namen sind Lori-Pambak mit seinem großen Mittelmedaillon zwischen zwei Nebenformen, der Fachralo als Gebets-Kazak mit Nischenbogen und der Bordjalou mit breiter Zackenbordüre. Alle folgen demselben Prinzip: wenige Farben, große Formen, keine Überladung.

Heutige Neuproduktion in Afghanistan

Im Kaukasus selbst ist die alte Knüpftradition weitgehend erloschen. Der weit überwiegende Teil der heute als Kazak angebotenen Teppiche stammt aus Afghanistan, vor allem aus der Region um Herat und Mazar-e Sharif, sowie aus Nordpakistan. Im Handel laufen sie als Afghan Kazak oder Kazak Chobi.

Es sind dieselben Werkstätten, die auch die gedeckten Chobi-Ziegler knüpfen – nur mit anderem Musterrepertoire und kräftigerer Palette. Verarbeitet wird meist Ghazni-Hochlandwolle, gefärbt überwiegend pflanzlich, und viele Stücke werden nach dem Knüpfen gewaschen, damit die Farben ruhiger wirken.

Diese Neuware ist eine ehrliche Interpretation, kein Fälschungsversuch: Format, Knüpfdichte und Farbabstimmung sind auf europäische Wohnräume ausgelegt. Wer ein antikes kaukasisches Original sucht, bewegt sich dagegen in einer völlig anderen Preisklasse und sollte auf eine fachliche Begutachtung bestehen.

Qualitätsmerkmale

Ein guter Kazak trägt einen Flor von rund 8 bis 12 Millimetern und eine Knüpfdichte zwischen etwa 90.000 und 200.000 Knoten pro Quadratmeter. Höhere Dichten wären dem Typ fremd – die großen Formen brauchen keine feine Auflösung, sondern eine Wolle, die Jahrzehnte trägt.

Geknüpft wird traditionell mit dem symmetrischen türkischen Knoten, der das Gewebe besonders fest macht. Prüfen Sie die seitlichen Kanten: Sie sollten sauber und dicht mit Wolle umstochen sein, nicht nachträglich mit Garn übernäht. Die Fransen laufen als Kettfäden aus dem Teppich heraus und sind bei guten Stücken zu einem festen Zopf oder Knoten gesichert.

Zur Farbprüfung genügt ein einfacher Test: Drücken Sie ein leicht angefeuchtetes weißes Baumwolltuch kurz auf eine kräftig gefärbte Stelle. Bleibt es sauber, sind die Farben gut fixiert. Färbt es deutlich ab, gehört der Teppich vor der ersten Reinigung in fachkundige Hände.

Preis-Einordnung

Neu geknüpfte Kazak aus Afghanistan liegen im Handel meist zwischen 250 und 600 Euro pro Quadratmeter. Für ein Format von 170 × 240 Zentimetern ergibt das eine Spanne von etwa 1.000 bis 2.400 Euro, abhängig von Wollqualität, Dichte und Sauberkeit der Zeichnung.

Antike kaukasische Kazak aus dem 19. Jahrhundert bilden einen eigenständigen Sammlermarkt. Gute erhaltene Stücke erzielen regelmäßig vierstellige, seltene Typen auch fünfstellige Beträge; ausschlaggebend sind Zustand, Farbigkeit und Seltenheit des Musters. Ohne Prüfung des Originals lässt sich hier keine belastbare Zahl nennen.

Pflege

Der kräftige Wollflor macht den Kazak zu einem der pflegeleichtesten Orientteppiche. Saugen Sie mit der Glattdüse und drehen Sie den Teppich zweimal jährlich, damit die kräftigen Farben gleichmäßig altern statt einseitig auszubleichen.

Für die Grundreinigung planen Sie je nach Belastung einen Turnus von etwa vier Jahren ein. Pflanzlich gefärbte Neuware reagiert empfindlich auf saure und alkalische Mittel, weshalb wir am Alstertor 20 jede Farbe vor der Handwäsche einzeln testen.

Die kräftige Zeichnung wirkt je nach Format sehr unterschiedlich. In unserem Shop stehen Kazak-Teppiche in mehreren Größen zum Vergleich.

Herkunft: Südwestkaukasus zwischen Tiflis und Gandscha
Herkunft: Südwestkaukasus zwischen Tiflis und Gandscha – Ursprungsregion der Kazak-Muster; die heutige Neuproduktion liegt in Afghanistan und Nordpakistan · Kartendaten © OpenStreetMap-Mitwirkende
Fachlich geprüft von Reza Hassani, Inhaber der Teppich Wäscherei Hamburg (Alstertor 20) – Ankauf, Wäsche und Reparatur von Orientteppichen.
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Häufige Fragen zu Kazak-Teppiche


Kommt ein Kazak-Teppich aus Kasachstan?

Nein. Der Name bezeichnet eine historische Landschaft im Südwestkaukasus zwischen Tiflis und Gandscha, im Grenzgebiet des heutigen Georgien, Armenien und Aserbaidschan. Kasachstan liegt jenseits des Kaspischen Meeres und hat mit diesem Teppichtyp nichts zu tun.

Woher kommen Kazak-Teppiche, die heute verkauft werden?

Der weit überwiegende Teil stammt aus Neuproduktion in Afghanistan, vor allem aus dem Umfeld von Herat und Mazar-e Sharif, sowie aus Nordpakistan. Geknüpft wird dort nach den kaukasischen Vorbildern, meist aus Ghazni-Hochlandwolle mit pflanzlicher Färbung. Antike Stücke aus dem Kaukasus selbst sind selten und deutlich teurer.

Was ist ein Adler-Kazak?

Adler-Kazak ist der Handelsname für den Tschelaberd, einen Kazak-Typ mit einem strahlenförmigen Medaillon, dessen Zacken an ausgebreitete Flügel erinnern. Meist stehen ein bis drei dieser Medaillons auf der Längsachse, oft in Rot auf hellem Grund. Der Name ist eine westeuropäische Erfindung des 19. Jahrhunderts, kein kaukasischer Begriff.

Eignet sich ein Kazak für stark begangene Räume?

Ja, dieser Typ gehört zu den robustesten Orientteppichen überhaupt. Die dichte Hochlandwolle, der feste symmetrische Knoten und der mittelhohe Flor stecken Wohnzimmer, Esszimmer und auch den Flur gut weg. Eine Antirutschmatte und regelmäßiges Saugen verlängern die Lebensdauer zusätzlich.

Wie erkenne ich die Farbqualität eines Kazak?

Naturfarben zeigen innerhalb einer Fläche feine Abstufungen, weil in kleinen Partien gefärbt wurde – das ist bei diesem Typ ein Qualitätsmerkmal und kein Mangel. Die Fixierung prüfen Sie mit einem leicht angefeuchteten weißen Baumwolltuch, das Sie kurz auf eine kräftig gefärbte Stelle drücken: Bleibt es sauber, ist alles in Ordnung. Färbt es deutlich ab, sollte vor jeder Nassbehandlung ein Fachbetrieb entscheiden.

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