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Teppich-Wissen

Ziegler-Teppiche

Große, ruhige Blumenmuster in gedeckten Naturtönen: Der Ziegler-Teppich entstand ab 1883 in Sultanabad für den europäischen Geschmack – und wird bis heute nach dieser Handschrift geknüpft.

Ziegler-Teppiche

Was ist ein Ziegler-Teppich?

Ziegler ist weder eine Stadt noch ein Stamm, sondern eine Handschrift. Sie geht auf das Handelshaus Ziegler & Co. zurück, das von Manchester aus mit Persien handelte und ab 1883 in Sultanabad – der heutigen Stadt Arak in Zentralpersien – eine eigene Produktion aufbaute. Zum ersten Mal wurden Perserteppiche dort nicht für den heimischen Bedarf geknüpft, sondern gezielt für Wohnräume in London, Paris und New York.

Dafür ließ das Unternehmen die überlieferten Muster der Region von Zeichnern überarbeiten. Aus den kleinteiligen persischen Vorlagen wurden großzügige, ruhige Blütenranken, aus dem kräftigen Rot-Blau der klassischen Stadtteppiche eine zurückhaltende Palette aus Beige, Ocker, Salbei und altem Rosé. Diese Teppiche passten zu hohen Räumen und dunklen Möbeln und wurden rasch zum Exportschlager.

Antike Stücke aus dieser Zeit, meist zwischen 1880 und 1920 entstanden, laufen im Handel als Ziegler Sultanabad und zählen zu den gesuchten Sammlerteppichen. Der weit überwiegende Teil der heute angebotenen Ziegler-Teppiche stammt dagegen aus Neuproduktion in Afghanistan und Pakistan, wo Knüpferfamilien den Stil in Handarbeit fortführen.

Merkmale & Muster

Typisch ist das Allover-Muster: ein durchgehendes Rankenwerk aus Palmetten, Blüten und geschwungenen Blattzweigen, das über die gesamte Fläche läuft, ohne ein zentrales Medaillon in den Vordergrund zu stellen. Die Zeichnung wirkt dadurch offen und beruhigt einen Raum, statt ihn zu beherrschen.

Die Farben sind gedeckt und warm. Verwendet werden überwiegend pflanzliche Farbstoffe: Krappwurzel für Rot, Indigo für Blau, Walnuss- und Granatapfelschalen für Braun- und Goldtöne. In der Neuproduktion läuft dieser Stil auch unter dem Namen Chobi oder Chobi Ziegler – „chob“ heißt auf Persisch Holz und verweist auf die pflanzliche Färbung.

Das Material ist fast immer handgesponnene Hochlandwolle auf einer Kette aus Baumwolle. Handgesponnenes Garn nimmt Farbe ungleichmäßig an, deshalb zeigen Ziegler-Teppiche häufig feine Schattierungen im Feld. Viele neue Stücke werden nach dem Knüpfen zusätzlich gewaschen, damit die Farben von Anfang an leicht verblasst und antik wirken.

Woran erkennt man Qualität?

Prüfen Sie zuerst die Wolle. Gute Hochlandwolle, etwa die geschätzte Ghazni-Wolle aus Afghanistan, fühlt sich leicht fettig an, federt nach dem Zusammendrücken zurück und hat einen matten, tiefen Glanz. Der natürliche Wollfettanteil macht den Flor schmutzabweisend und langlebig; strohig-trockene, stumpfe Wolle ist ein Warnsignal.

Streifige Farbunterschiede im Feld nennt man Abrash. Sie sind kein Mangel, sondern der Beleg dafür, dass in kleinen Partien und mit Naturfarben gefärbt wurde. Ein Feld ohne jede Regung in der Farbe spricht eher für industrielle Färbung.

Die Knüpfdichte liegt bei Ziegler-Teppichen meist zwischen 120.000 und 250.000 Knoten pro Quadratmeter – dieser Typ lebt nicht von extremer Feinheit. Wichtiger sind sauber gezeichnete Bordüren, gerade Kanten, gleichmäßige Florhöhe und eine Rückseite, auf der das Muster klar erkennbar ist. Genau das unterscheidet einen handgeknüpften Teppich von Maschinenware.

Pflege & Reinigung

Saugen Sie regelmäßig in Florrichtung und ohne rotierende Bürste; die Bürste reißt Fasern aus dem Flor. Drehen Sie den Teppich zwei- bis dreimal im Jahr, damit Licht und Trittspuren sich gleichmäßig verteilen.

Flecken sofort mit einem hellen Baumwolltuch abtupfen, niemals reiben. Von Fleckensprays und Hausmitteln raten wir ab: Pflanzenfarben reagieren empfindlich auf saure und alkalische Mittel und können ausbluten – der Schaden ist dann größer als der ursprüngliche Fleck.

Alle drei bis fünf Jahre ist eine professionelle Teppichreinigung sinnvoll. In unserer Teppichwäscherei am Alstertor 20 in Hamburg wird der Staub zunächst ausgeklopft, anschließend folgt eine schonende Handwäsche mit Farbtest. Bei beschädigten Kanten oder Fransen lohnt sich eine Teppichreparatur im selben Arbeitsgang.

Preis-Einordnung

Neue, handgeknüpfte Ziegler- und Chobi-Teppiche liegen im Handel meist zwischen etwa 250 und 700 Euro pro Quadratmeter. Für ein gängiges Wohnzimmerformat von 200 × 300 Zentimetern ergibt das eine Spanne von rund 1.500 bis 4.200 Euro, je nach Wolle, Knüpfdichte und Feinheit der Zeichnung.

Antike Ziegler Sultanabad bilden einen eigenen Markt. Hier entscheiden Alter, Erhaltungszustand, Format und vor allem die Farbigkeit; gute Stücke erzielen vierstellige bis fünfstellige Beträge. Eine seriöse Einschätzung ist ohne Begutachtung des Originals kaum möglich.

Weil Ziegler-Teppiche über die Fläche wirken, lohnt der Blick auf große Formate: In unserem Shop finden Sie Ziegler-Teppiche in Raumgrößen mit Angaben zu Wolle und Färbung.

Herkunft: Sultanabad (heute Arak), Zentralpersien
Herkunft: Sultanabad (heute Arak), Zentralpersien – Ursprungsregion der Ziegler-Manufaktur, heutige Neuproduktion in Afghanistan und Pakistan · Kartendaten © OpenStreetMap-Mitwirkende
Fachlich geprüft von Reza Hassani, Inhaber der Teppich Wäscherei Hamburg (Alstertor 20) – Ankauf, Wäsche und Reparatur von Orientteppichen.
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Häufige Fragen zu Ziegler-Teppiche


Was ist der Unterschied zwischen Ziegler und Chobi?

Beide Begriffe bezeichnen denselben Stil: großflächige, gedeckte Blumenmuster nach der Ziegler-Handschrift. „Ziegler“ verweist auf die historische Manufaktur in Sultanabad, „Chobi“ ist der in Afghanistan und Pakistan gebräuchliche Name für die heutige Neuproduktion mit pflanzlicher Färbung. Im Handel werden die Bezeichnungen oft gemeinsam als „Chobi Ziegler“ verwendet.

Woran erkenne ich, ob ein Ziegler antik oder neu ist?

Antike Ziegler aus Sultanabad zeigen ungleichmäßigen Florabrieb, eine über Jahrzehnte gealterte, unregelmäßige Patina und häufig fachmännisch ausgebesserte Stellen. Neuware wirkt gleichmäßiger, die Rückseite ist sauber und hell, und ein künstlich erzeugter Antik-Look ist über die ganze Fläche gleich stark. Im Zweifel klärt eine Begutachtung des Originals die Frage sicher.

Wie wird der Wert eines Ziegler-Teppichs ermittelt?

Entscheidend sind Alter, Herkunft, Wollqualität, Knüpfdichte, Format, Farbigkeit und Erhaltungszustand. Bei antiken Stücken wiegt der Zustand besonders schwer, bei Neuware vor allem die Wolle. Für eine erste Einschätzung genügen uns gute Fotos von Vorder- und Rückseite sowie die genauen Maße.

Zu welcher Einrichtung passt ein Ziegler-Teppich?

Durch die gedeckten Naturtöne und das ruhige Allover-Muster passt der Ziegler zu modernen wie zu klassischen Räumen. Er harmoniert besonders gut mit hellem Holz, Leinen und Grautönen und wirkt auch in großen Formaten nicht schwer. Ein zentrales Medaillon fehlt, deshalb lässt sich Mobiliar frei darauf stellen.

Kann ich einen Ziegler-Teppich selbst reinigen?

Absaugen und das sofortige Abtupfen frischer Flecken können Sie selbst übernehmen. Von einer Nassreinigung in Eigenregie raten wir ab, weil die pflanzlichen Farben ausbluten können und die Wolle im Kern nur schwer wieder trocknet. Für die Grundreinigung ist eine professionelle Handwäsche der sichere Weg.

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