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Teppich-Wissen

Seidenteppiche

Tiefer Glanz, feinste Zeichnung, hoher Wert – und viele Verwechslungen mit Viskose. Was einen echten Seidenteppich ausmacht und wie Sie ihn erkennen.

Seidenteppiche

Herkunft: Ghom, Hereke und Kaschmir

Die bekannteste Herkunft für persische Seidenteppiche ist Ghom (auch Qum oder Qom geschrieben), rund 130 Kilometer südlich von Teheran. Die Knüpferei dort ist vergleichsweise jung, hat sich aber seit dem 20. Jahrhundert auf feinste Seide spezialisiert: kleine Formate, brillante Farben, oft mit Werkstatt-Signatur im Bordürenfeld.

In der Türkei steht Hereke für dasselbe Spitzenniveau. Die Manufaktur wurde 1843 für den osmanischen Hof gegründet und knüpft bis heute Seidenteppiche mit außergewöhnlich hoher Dichte, häufig mit Gold- oder Silberfäden in der Bordüre. Signierte Hereke-Seidenteppiche gehören zu den teuersten geknüpften Teppichen überhaupt.

Aus Kaschmir in Nordindien kommen ebenfalls seidige Teppiche – hier ist besondere Aufmerksamkeit nötig. Viele als „Kaschmir Seide“ gehandelte Stücke bestehen aus merzerisierter Baumwolle oder Viskose und nicht aus echter Maulbeerseide. Der Unterschied im Wert ist erheblich.

Echtheit erkennen – ohne Brenntest

Der oft empfohlene Brenntest ist in der Praxis keine gute Idee: Er beschädigt den Teppich, und die Auswertung – Geruch nach verbranntem Haar bei echter Seide, nach Papier bei Viskose – ist für Laien unzuverlässig. Bei einem Stück mit vierstelligem Wert steht der mögliche Schaden in keinem Verhältnis zum Erkenntnisgewinn.

Schonende Anhaltspunkte gibt es genug. Echte Seide schimmert und wechselt die Farbe deutlich, wenn Sie den Blickwinkel ändern; Viskose glänzt gleichmäßiger und wirkt kühler. Reiben Sie mit der Handfläche über den Flor: Seide erwärmt sich spürbar. Ein Blick auf die Fransen hilft ebenfalls, allerdings nur bei durchgehend seidenen Teppichen, bei denen Kette, Schuss und Flor aus Seide bestehen – dort sind die Fransen die Fortsetzung der Kette und selbst aus Seide. Bei der ebenfalls echten Bauweise mit Seidenflor auf Baumwollkette sind Baumwollfransen dagegen normal; verdächtig sind in beiden Fällen nur nachträglich angenähte Fransen.

Ein weiteres Warnsignal ist ein niedergedrückter, matt gewordener Flor mit gräulichen Laufspuren: Viskose bricht unter Belastung und kehrt nicht zurück, echte Seide bleibt elastisch. Sicherheit bringt am Ende nur die Begutachtung durch einen Fachbetrieb. Wir übernehmen das im Rahmen unserer Wertermittlung, auch wenn Sie einen geerbten Teppich verkaufen möchten.

Knüpfdichte und Wert

Seide ist reißfester und feiner als Wolle und erlaubt deshalb extrem hohe Knüpfdichten. Übliche Werte für gute Seidenteppiche liegen zwischen 500.000 und über 1.000.000 Knoten pro Quadratmeter. In Persien wird die Feinheit traditionell in Raj gemessen – je höher die Zahl, desto dichter die Knüpfung.

Den Wert bestimmen aber mehrere Faktoren gemeinsam: Material (durchgehend Seide oder Seidenflor auf Baumwollkette), Knüpfdichte, Qualität der Zeichnung, Erhaltungszustand, Alter, Format und eine eventuelle Werkstatt-Signatur. Ein signierter Ghom in tadellosem Zustand liegt deutlich über einem unsignierten Stück gleicher Größe.

Preis-Einordnung

Als grobe Orientierung: Feine Seidenteppiche aus Ghom oder Hereke bewegen sich meist im vierstelligen Bereich. Kleine Formate um 100 × 150 Zentimeter kosten je nach Dichte und Signatur häufig zwischen 2.000 und 8.000 Euro, ausgesuchte Sammlerstücke auch erheblich mehr.

Nach unten ist die Spanne dagegen ein Warnsignal: Wird ein vermeintlicher Seidenteppich in Wohnzimmergröße für wenige hundert Euro angeboten, handelt es sich fast immer um Viskose. Eine belastbare Zahl ergibt sich ohnehin erst nach Begutachtung des Originals, weil Zustand und Signatur den Preis stark verschieben.

Pflege: niemals selbst waschen

Seide verträgt weder alkalische Reiniger noch kräftige Nässe. Wasser löst den natürlichen Glanz, hinterlässt Ränder und kann die feinen Fäden dauerhaft stumpf machen. Dampfreiniger, Waschsauger und handelsübliche Teppichschäume sind für Seidenteppiche daher tabu.

Im Alltag reicht sehr vorsichtiges Saugen mit der Glattdüse in Florrichtung, ohne rotierende Bürste. Legen Sie den Teppich nicht in die direkte Sonne, denn Seidenfarben bleichen schneller aus als Wollfarben, und drehen Sie ihn regelmäßig.

Für die Grundreinigung gehört ein Seidenteppich in fachkundige Hände. Wir waschen Seide am Alstertor 20 in Hamburg von Hand, mit pH-neutralen Mitteln, vorherigem Farbtest und langsamer, kontrollierter Trocknung. Beschädigte Fransen oder offene Kanten lassen sich dabei gleich mit reparieren.

Echte Seide erkennt man am sichersten im Vergleich. Was wir gerade führen, steht unter Seidenteppiche im Onlineshop – jeweils mit Angabe von Material und Knüpfdichte.

Herkunft: Ghom in Persien, Hereke in der Türkei, Kaschmir in Nordindien
Herkunft: Ghom in Persien, Hereke in der Türkei, Kaschmir in Nordindien – Die drei wichtigsten Knüpfzentren für Seidenteppiche · Kartendaten © OpenStreetMap-Mitwirkende
Fachlich geprüft von Reza Hassani, Inhaber der Teppich Wäscherei Hamburg (Alstertor 20) – Ankauf, Wäsche und Reparatur von Orientteppichen.
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Häufige Fragen zu Seidenteppiche


Wie erkenne ich echte Seide von Kunstseide?

Echte Seide schillert und ändert ihre Farbe je nach Blickwinkel, erwärmt sich beim Reiben mit der Handfläche und bleibt auch nach Jahren elastisch. Kunstseide aus Viskose glänzt gleichmäßiger, fühlt sich kühl an und zeigt an begangenen Stellen matte, gräuliche Druckspuren. Auf den Brenntest sollten Sie verzichten – er beschädigt den Teppich und ist für Laien nicht zuverlässig auszuwerten.

Was ist ein Seidenteppich wert?

Der Wert hängt von Herkunft, Knüpfdichte, Material, Zustand, Alter, Format und einer möglichen Signatur ab. Feine Ghom- oder Hereke-Seidenteppiche liegen üblicherweise im vierstelligen Bereich, kleine Formate häufig zwischen 2.000 und 8.000 Euro. Eine seriöse Bewertung ist nur nach Begutachtung des Originals möglich; für eine erste Einschätzung genügen uns Fotos und die genauen Maße.

Kann ich einen Seidenteppich selbst reinigen?

Nein. Wasser, Dampf und handelsübliche Reiniger nehmen der Seide den Glanz, hinterlassen Ränder und können die Fäden dauerhaft schädigen. Selbst übernehmen sollten Sie nur das vorsichtige Saugen mit der Glattdüse in Florrichtung; alles Weitere gehört in eine Fachwäscherei mit Erfahrung in Seide.

Wie bewahre ich einen Seidenteppich richtig auf?

Rollen Sie den Teppich immer, falten Sie ihn nie – Knicke bleiben in der Seide sichtbar. Gerollt wird um eine Papprolle, mit dem Flor nach innen, anschließend in atmungsaktive Baumwolle gewickelt, niemals in Plastikfolie. Der Lagerort sollte trocken, dunkel und kühl sein; vor dem Einlagern empfiehlt sich eine professionelle Wäsche als Mottenschutz.

Sind Seidenteppiche für stark begangene Räume geeignet?

Nur eingeschränkt. Seide ist zwar reißfest, aber der feine Flor zeigt Laufspuren und Druckstellen schneller als Wolle und ist empfindlich gegen Feuchtigkeit. Seidenteppiche kommen deshalb am besten im Schlafzimmer, Arbeitszimmer oder als Wandbehang zur Geltung – im Flur oder Esszimmer ist ein Wollteppich die klügere Wahl.

Region Persien · Teppichankauf · Seidenteppich reinigen

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