
- Feinheit (La-Klasse): 4La und 6La sind deutlich mehr wert als 9La und 12La
- Material: Korkwolle mit echten Seidenkonturen hebt den Preis
- Zustand: gleichmäßiger Flor, keine Sonnenbleiche, keine Motten
- Herkunft: persischer Nain statt Indo-Nain
- Signatur: eine echte Werkstatt-Signatur (z. B. Habibian) kann viel ausmachen
- Format: gängige Wohnzimmergrößen verkaufen sich am besten
Was macht einen Nain Teppich wertvoll? Geschichte und Bedeutung
Nain-Teppiche gehören zu den feinsten handgeknüpften Orientteppichen aus dem Iran – und zugleich zu den jüngsten klassischen Perserteppichen: Erst in den 1930er-Jahren stellten die Weber der Stadt Nain in der Provinz Isfahan vom Tuchweben auf das Teppichknüpfen um. Geprägt hat den Stil die Werkstatt Habibian, die die Musterzeichnung von Isfahan mit der typisch hellen Farbpalette aus Elfenbein, Beige und Blau verband: ein Medaillon in der Mitte, florale Ornamente und feine Ranken, deren Kontur oft mit Seide geknüpft ist. Bis heute gelten Nain-Teppiche von Meisterknüpfern als hochwertige, von Teppichkennern geschätzte Kunsthandwerksstücke. Wer mehr über Herkunft, Muster und Kauf wissen möchte, findet alles auf unserer Seite Nain Teppiche.
Für den Wert eines gebrauchten Nain zählen dagegen vor allem fünf Punkte: die Feinheit der Knüpfung (La-Klasse), Wollqualität und Seidenanteil, der Erhaltungszustand, das Format und die Farbstellung. Am schwersten wiegt der Zustand – ein fein geknüpfter Teppich mit abgelaufenem Flor verliert seine wichtigste Eigenschaft, die scharfe Zeichnung.
Feinheit und Qualitätsmerkmale: Nain 12La, 9La, 6La oder 4La?
Die La-Zahl beschreibt, aus wie vielen Einzelfäden ein Kettfaden gezwirnt ist. Ein dünnerer Kettfaden erlaubt mehr Knoten auf gleicher Fläche. Je kleiner die Zahl, desto feiner die Knüpfung und desto höher die Knotendichte (auch Knüpfdichte genannt) – angegeben in Knoten pro Quadratmeter. So ordnen Sie Ihren Nain ein: Zählen Sie auf der Rückseite die Knoten auf 10 cm Breite und 10 cm Länge.
| Qualität | Knoten je 10 cm (ca.) | Knoten pro m² (ca.) | Einordnung |
|---|---|---|---|
| Nain 12La | 40 – 45 | 150.000 – 200.000 | einfachere Qualität |
| Nain 9La | 50 – 60 | 250.000 – 350.000 | häufigste Qualität im deutschen Handel |
| Nain 6La | 65 – 75 | 400.000 – 600.000 | fein, meist mit Seidenkonturen |
| Nain 4La | ab 80 | ab 700.000, Meisterstücke über 1 Mio. | Spitzenklasse, oft viel Seide |
Wichtig: Die La-Zahl beschreibt nur die Kette, nicht den Wollflor. Zwei 9La-Teppiche können sich im Wert deutlich unterscheiden, wenn der eine aus sortierter Korkwolle und der andere aus kurzstapeliger Restwolle geknüpft wurde. Liegt Ihr Teppich unter etwa 38 Knoten je 10 cm, gehört er in keine der Nain-Klassen – dann handelt es sich meist um eine einfachere Nachbildung.
Was ist ein Nain Teppich wert? Preise nach Qualität und Zustand
Seriös sind nur Spannen – den genauen Wert bestimmt immer das einzelne Stück. Zur Orientierung für das gängige Format 200 × 300 cm in gutem, gleichmäßig erhaltenem Zustand:
| Qualität | Neu im Fachhandel | Gebraucht im Laden | Ankauf durch Händler |
|---|---|---|---|
| Nain 9La | 3.000 – 5.400 € | 1.500 – 2.700 € | 600 – 2.000 € |
| Nain 6La mit Seide | 5.400 – 10.800 € | deutlich über 9La | nach Begutachtung |
| Nain 4La | fünfstellig möglich | Einzelstück | nach Begutachtung |
| Nain 12La / Indo-Nain | unter 9La | unter 9La | unter 9La |
Warum liegen Ankaufs- und Ladenpreis so weit auseinander? Zwischen beiden stehen Wäsche, eventuelle Reparaturen, Lagerung, Gewährleistung und das Verkaufsrisiko. Ein Nain ist deshalb vor allem ein langlebiger Gebrauchsgegenstand und nur bedingt eine Wertanlage. Kleine Formate (z. B. 70 × 140 cm) erzielen entsprechend weniger, große Formate nicht linear mehr: Übergrößen finden schwerer Käufer. Am besten verkaufen sich Nain-Teppiche in den gängigen Größen 120 × 180 cm, 150 × 200 cm, 170 × 240 cm, 200 × 300 cm und 250 × 350 cm.
Seide, Signatur und Alter: die drei Wertsteigerer
Echte Seidenkonturen
Bei vielen Nain sind die Umrisslinien der Ranken mit Naturseide geknüpft, sodass das Muster bei wechselndem Licht aufblitzt. Echte Seide fühlt sich kühl an, glänzt gerichtet und bleibt fest, wenn man eine Faser anfeuchtet. Viskose (Kunstseide) glänzt dagegen gleichmäßig glasig, wird nass weich und mindert den Wert. Ganz aus Seide geknüpfte Nain sind selten und gehören zur Spitzenklasse.
Signatur der Werkstatt
Eine eingeknüpfte Signatur – meist in einer Kartusche am oberen oder unteren Rand – kann den Wert deutlich steigern. Die bekannteste ist die der Werkstatt Habibian. Aber: Signaturen werden häufig kopiert. Entscheidend ist, ob die Qualität zur Signatur passt: gleichmäßige Knotenreihen über die ganze Breite, Bordürenecken ohne Bruch im Muster und ein überall gleich hoch geschorener Flor. Fotografieren Sie eine Signatur immer mit, wenn Sie Ihren Teppich schätzen lassen.
Alter
Da der Nain erst seit rund 90 Jahren geknüpft wird, sind wirklich antike Stücke selten. Hinweise auf frühe Teppiche geben handgesponnene Wolle, leicht unregelmäßige Kettfäden und Pflanzenfarben mit weichen Übergängen. Ein Teppich aus den 1970er- bis 1990er-Jahren ist kein Sammlerstück, aber in gutem Zustand gefragte Gebrauchtware.

Was den Wert mindert – und was sich reparieren lässt
Helle Nain-Teppiche reagieren empfindlicher als dunkle Perser. Diese Punkte drücken den Preis besonders:
- Sonnenbleiche: ein einseitig ausgeblichenes Feld – nicht umkehrbar
- Abgelaufener Flor: sichtbare Knoten, verschwommene Zeichnung – nicht umkehrbar
- Motten: kahle Stellen und Löcher – oft reparierbar, siehe Motten im Teppich
- Fransen und Kanten: ausgefranst oder abgeschnitten – gut reparierbar
- Flecken, Gerüche, Grauschleier: meist durch eine Handwäsche zu beheben
- Ausgeblutete Farben: Folge falscher Wäsche – nur begrenzt zu retten
Wo ein Schaden sitzt, wiegt schwerer als seine Größe: Eine nachgeknüpfte Stelle mitten im Medaillon mindert den Wert stärker als dieselbe Fläche in der Bordüre. Vieles lässt sich fachgerecht beheben – eine Reparatur von Fransen und Kanten kostet oft weniger, als der Schaden an Wert ausmacht. Vor einem Verkauf lohnt sich meist eine Handwäsche: Ein gewaschener Nain zeigt sein helles Feld wieder und erzielt spürbar bessere Preise.







