Anatolien ist neben Persien die zweite große Wiege der Knüpfkunst: Türkische Teppiche – allen voran der weltberühmte Hereke (auch Herike geschrieben) aus Seide mit bis zu einer Million Knoten pro Quadratmeter – stehen persischen Meisterwerken in nichts nach. Dazu kommen charaktervolle anatolische Dorfteppiche aus Konya, Milas oder Kars und der pastellfarbene Uschak (Oushak/Usak), den Einrichter weltweit lieben. Ob Sie einen türkischen Teppich kaufen, verkaufen oder waschen lassen möchten: Wir kennen jede Provenienz Anatoliens.
Was sind türkische Teppiche?
Türkische Teppiche sind Teppiche aus Anatolien, dem asiatischen Teil der Türkei. Gemeint sind meist handgeknüpfte Orientteppiche aus Wolle oder Seide, geknüpft mit dem türkischen Knoten. Fachleute sprechen auch von anatolischen Teppichen – beide Begriffe bedeuten dasselbe: orientalische Handwerkskunst aus der Türkei.
Die Bandbreite ist groß: von robusten Dorf- und Nomadenteppichen mit geometrischen Mustern über die Teppiche aus Konya und Kayseri bis zu den Seidenteppichen aus Hereke, die einst für die Paläste der Sultane entstanden. Dazu kommen gewebte Kelims ohne Flor, die ursprünglich aus der nomadischen Tradition stammen. Im Handel finden Sie außerdem viele maschinell gefertigte Teppiche aus der Türkei – sie sind günstig und dekorativ, haben mit dem traditionellen Kunsthandwerk aber wenig gemein. Auf dieser Seite geht es um handgeknüpfte Teppiche.
Steckbrief
Woran erkennt man handgeknüpfte türkische Teppiche?
Ein echter türkischer Teppich ist handgeknüpft, sein Muster ist auf der Rückseite genauso klar zu sehen wie vorne, und die Fransen sind die Enden der Kettfäden – nicht angenäht. Typisch sind dazu kräftige Farben, eine geometrische Musterung und der symmetrische Knoten. Diese Merkmale helfen bei der Bestimmung:
- Rückseite: Einzelne Knoten sind sichtbar und leicht unregelmäßig – maschinell gefertigte Teppiche wirken dagegen exakt gleichmäßig
- Fransen: Sie wachsen aus dem Teppich heraus und sind nicht nachträglich angenäht
- Knoten: Der türkische Knoten (Gördes) umschlingt zwei Kettfäden symmetrisch – man nennt ihn deshalb auch Doppelknoten
- Muster: Gebetsnischen, Sterne, Haken und Medaillonmuster, eingerahmt von einer breiten Hauptbordüre – selten einfarbig
- Farben: Kräftiges Rot, Blau und Gelb bei Dorfteppichen, sanftes Beige und Pastell beim Uschak (Oushak)
Türkischer Teppich oder persischer Orientteppich – was ist der Unterschied?
Beide gehören zu den großen Orientteppich-Traditionen, unterscheiden sich aber in Knoten, Musterung und Wirkung. Anatolische Teppiche sind meist geometrischer und kräftiger, persische Teppiche oft floraler und filigraner. Ausnahmen gibt es auf beiden Seiten – etwa die floralen Hereke-Teppiche mit Palmetten und filigranen Mustern nach persischem Vorbild, oder die Kars-Teppiche aus Ostanatolien, die kaukasisch geprägt sind.
Wie werden traditionelle türkische Teppiche hergestellt?
Ein traditioneller türkischer Teppich entsteht Knoten für Knoten auf einem Knüpfstuhl. Die Knüpferin schlingt jeden Wollfaden um zwei Kettfäden, schneidet ihn ab und schlägt nach jeder Reihe einen Schussfaden fest. Je feiner Wolle oder Seide sind, desto mehr Knoten passen auf einen Quadratmeter – und desto feiner wird das Muster. Bei den feinsten Hereke-Seidenteppichen sind Flor, Kette und Schuss aus Seide („Seide auf Seide“).
Die Teppichherstellung in Anatolien hat eine jahrhundertealte Tradition. Viele Dorfteppiche entstehen bis heute in Heimarbeit, oft nach Mustern, die in den Familien weitergegeben werden. Feine Stadtteppiche wie Hereke stammen dagegen aus Manufakturen; in der Stadt Konya und in Kayseri gibt es ebenfalls eine lange Teppichproduktion. Wie wertvoll die anatolische Knüpfkunst schon früh war, zeigen die sogenannten Siebenbürger Teppiche: anatolische Teppiche, die über Jahrhunderte in Kirchen in Siebenbürgen aufbewahrt wurden.
- Wolle scheren, spinnen und färben – traditionell mit pflanzlichen Farbstoffen, heute oft auch mit synthetischen Farben gefärbt
- Kettfäden aus Wolle, Baumwolle oder Seide auf den Knüpfstuhl spannen
- Reihe für Reihe knüpfen und mit Schussfäden festschlagen
- Den Flor gleichmäßig scheren, damit das Muster klar hervortritt
- Den fertigen Teppich waschen, trocknen und in Form spannen
Sind türkische Teppiche robust und alltagstauglich?
Ja – handgeknüpfte türkische Wollteppiche sind sehr langlebig. Die kräftige anatolische Wolle ist widerstandsfähig, die dichte Knüpfung hält auch viel Betrieb im Wohnzimmer, Flur oder Esszimmer aus. Gut gepflegt überdauern sie Generationen.
Für stark genutzte Räume eignen sich Dorfteppiche wie Milas, Yahyali oder Taspinar besonders gut. Ein Uschak in hellen Tönen passt ins Wohnzimmer oder als Teppich im Schlafzimmer und wirkt zeitlos zu modernem Dekor. Seidenteppiche aus Hereke oder Kayseri sind dagegen repräsentative Stücke für wenig begangene Flächen – oder ein dekoratives Wohnaccessoire an der Wand.
Mythos: Alle türkischen Teppiche sind billige Massenware.
Fakt: Neben maschinell gefertigten Teppichen gibt es handgeknüpfte türkische Teppiche, die zu den feinsten der Welt gehören – allen voran Hereke-Seidenteppiche.
Mythos: Ein türkischer Teppich ist immer bunt und rot.
Fakt: Der Uschak (Oushak) ist für helle Beige-, Rosé- und Pastelltöne bekannt und passt sehr gut zu modernen Einrichtungen.
Mythos: Kelim und Teppich sind dasselbe.
Fakt: Ein Kelim ist flach gewebt und hat keinen Flor. Ein Knüpfteppich hat einen Flor aus einzeln geknüpften Knoten.
Türkische Teppiche richtig pflegen und waschen
Ein handgeknüpfter türkischer Teppich braucht wenig Pflege: regelmäßig saugen und alle paar Jahre professionell waschen lassen. Vorsicht gilt bei Seide und bei kräftigen Rottönen – falsche Reinigungsmittel können Farben ausbluten lassen oder den Glanz der Seide zerstören. In unserer Teppichwäscherei in Hamburg waschen wir türkische Teppiche und Kelims schonend von Hand.
✓ Richtig
- Regelmäßig in Florrichtung saugen, ohne rotierende Bürste
- Flecken sofort mit klarem Wasser abtupfen
- Den Teppich gelegentlich drehen, damit er gleichmäßig abnutzt
- Seidenteppiche nur von Fachleuten waschen lassen
✗ Besser vermeiden
- Teppichshampoo oder Dampfreiniger verwenden
- Flecken kräftig reiben
- Fransen mit dem Staubsauger einsaugen
- Einen nassen Teppich langsam auf dem Boden trocknen lassen
Türkischer Teppich im Kreuzworträtsel – die Lösungen
Für „türkischer Wollteppich“ oder „türkische Teppichstadt“ mit vier Buchstaben lautet die gängige Lösung USAK – die westanatolische Stadt, nach der der Uschak (Oushak) benannt ist. Sucht das Rätsel einen „Teppich nach der gleichnamigen türkischen Stadt“ mit sieben Buchstaben, passt BERGAMA.
Provenienzen aus Türkei (Anatolien) im Überblick
Anatolische Teppiche erkennt man oft am symmetrischen Knoten und an kräftigen Farben. Was wir gerade führen, steht unter türkische Teppiche im Shop.